Autor: Dariusz

Luukkaankangas-updated,revisited

Sound: Stefan Németh Mastering: Martin Siewert A 2005 Beta-Sp  8 Min Luukkaankangas-updated,revisited Text: Marc Ries ©Kunstverein Medienturm In Finnland nehmen Webcams der Finnish Road Administration permanent Bilder aller wichtigen Straßen auf, die dann in einem Intervall von 15-30 Minuten ins Internet gestellt werden. Bevor sie also wegfahren, können die Finnen ihre Straßen zunächst als ein Bild einsehen, und entscheiden, ob sie sie benutzen wollen oder nicht. Entscheidend ist wohl, dass die Kameras die Bilder automatisch, ohne Kameramann, aufnehmen, es also bloße Funktionsbilder sind, ohne jegliche ästhetische Referenz. Der systematischen Leerstelle auf der Seite der Produktion steht eine hoch individualisierte Rezeption gegenüber. Dariusz Kowalski gestaltet – ebenfalls als User dieser Bilder – aus ihnen eine singuläre filmische Dramaturgie. Die serielle Montage der Einzelbilder, ihre Entfunktionalisierung und Raffung lässt diese nunmehr als gänzlich andere Bilder lesen. Die Straßen erleben eine eigentümliche Animierung, Beseelung. Sie werden als Organismen wahrgenommen, die sich mit den Licht und Schattenspielen, mit den Wetterverhältnissen und Jahreszeiten verändern. Die Straßen pulsieren, vibrieren, verwandeln sich nach scheinbar uneinsehbaren Gesetzen. Sie beeindrucken, da oft gar keine …

Elements

Sound: Stefan Németh Mastering: Martin Siewert A 2006 35mm 8 Min Stereo Elements Text: Marc Ries Elements setzt stilistisch wie programmatisch Luukkaankangas – updated, revisited (2004) fort. Hier sind es vom „Alaska Weather Camera Program“ ins Internet gestellte Datenbilder von okkupierten Terrains in den Eiswüsten, die zu Loops animiert werden. Jedoch bezieht sich Elements auf kein präzises Objekt mehr, sondern referiert direkt auf Raum, auf uneinnehmbare Landschaft und unsichere Horizonte. Das Motiv der Webcams sind zwar kleine Flugplätze in Alaska und deren Wetterbedingungen, durch den Zeitraffer und die schnelle Collage entschwinden jedoch die Funktionsdaten ebenso wie die konkreten Objekte, Flugzeuge, Autos, zugunsten einer Rhythmisierung des Raumes, die seine elementare Erscheinung als Ineinandergreifen weisser, bedeutungsleerer Flächen betreibt. Die Natur der Landschaft unterlegt dieser schnelle Wechsel, Wolken- und Schneetreiben, extreme Lichtintensitäten. Das Video evoziert ein anderes Zeitgefühl, da die nachvollziehbare Alltagsdramaturgie der Objekte wegfällt: Sie sind da und wieder weg, anwesend, dann wieder abwesend, folgen also keinem teleologischen Plan, sind wie unbedeutende kinetische Elemente, deren Sichtbarkeit zwischen die Bilder fällt. Es sind die Bilder, die entscheiden, ob …

Ortem

Realisation: Dariusz Kowalski Sound: Stefan Németh Mastering: Martin Siewert Kamera: Dariusz Kowalski, Norbert Paffenbichler A 2004 Beta-Sp  20 Min Text: Helmut Weihsmann Ausgangspunkt dieses kurzen und phantasievollen Experimentalvideos ist das Wiener U-Bahn-Netz aus den 1970er Jahren der Arbeitsgruppe Wilhelm Holzbauer, Heinz Marschalek, Georg Ladstätter und Norbert Gantar, deren gestalterische Klarheit, abstrakt-kühne Formensprache und semiotische Lesbarkeit vorbildlich für zeitgemäßes und urbanes High-Tech-Design wurde. Bei immer gleich bleibenden Montageprinzipien und Reihung der Bauelemente erreichte man ein variables und wechselseitiges Zusammenspiel der Ordnungen, Maßstäbe und Variationen der Formen. Diese Elemente der Gestaltung sind eigentlich keine Ansammlung beliebiger Ornamente, sondern stellen einen strigenten Bausatz dar. Es ist das, was sich amerikanische Industriedesigner in den 30-er und 40-er Jahren immer als „Streamline Moderne“ erträumten, was sie jedoch außer in den utopischen SF-Filmen nie ganz verwirklichen konnten. In dieser kleinen aber feinen Formübung erkundete, erforschte und dokumentierte der einheimische Medienkünstler Kowalski präzise das urbane Zeichen-, Bau- und Raumsystem der Wiener U-Bahn, das im Laufe der filmischen Erkundigung immer stärker zu einem seltsam futuristisch inspirierten und beklemmenden Science-Fiction-Szenario mutiert. Kowalski wählte hierfür …

Videorama

Videorama Kunstclips aus Österreich Kunsthalle Wien, 4. November 2009 Zeitkristallisationsmaschinen […] repräsentieren die Welt nicht, sie kristallisieren sie durch Kontraktion und Ausdehnung der Zeit und tragen so zu ihrer Konstitution bei. Maurizio Lazzarato Keine überlangen Kompilationen, keine langatmigen Dokus und keine Aneinanderreihung von Black Boxes! Videorama – vom panoramatischen „alles Sehen“ in einer von Bildern überströmten und Kamera überwachten Welt, in der sich als Reaktion zunehmend der Scheuklappenblick einstellt, zum konzentrierten Video, zum „ich sehe“, wie es aus dem Lateinischen übersetzt heißt. Vom Überblick auf das österreichische rezente Videoschaffen des Archivs zu einer Ausstellung mit Werken, die Zeit als formbares und sich im Raum entfaltendes Material versteht. Der Mensch des 21. Jahrhunderts agiert tagtäglich in mediatisierten Räumen, in der so genannten „Reality“, wie es Theoretiker nennen: seien es die traditionellen Medien wie Telefon, Radio, Fernsehen, Kino oder auch das Internet, Facebook, Blogs, die sich längst in unser Leben eingeschlichen und mit unserem physischen Dasein verbunden haben. Ein stetiger Fluss von Laufbildern lässt auch den Besucher des Videoramas taumeln. In der Schau wird die aktuell erlebte …

Interrogation Room

Interrogation Room. Text: Katrin R. Bucher Mit Interrogation Room untersucht Dariusz Kowalski inwieweit Raeume, Blickregime und Machtstrukturen korrespondieren. Der Ausgangspunkt seiner Arbeit ist das raeumliche Setting eines aus Psychiatrie und Kriminalistik  bestens vertrauten Spiegelzimmers bzw. Verhoerraums, das er auf drei Ebenen befragt: als Modell, als begehbare Installation und als Umsetzung im Medium Film. Die verschiedenen Zugangsweisen analysieren eine ambivalente Situation im Uebergang von Beobachtung zu Ueberwachung. Gleichzeitig thematisiert Kowalski komplexe Fragen der Blickkonstruktion in Architektur und Film. Der Interrogation Room fungiert dabei auch als Set fuer den Film und stellt so eine Korrespondenz zwischen dem Ausstellungs- und dem Kinoraum her. Fuer die Diagonale 2009 entsteht außerdem ein Trailer, der ausschließlich im Kino zu sehen sein wird.