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Richtung Nowa Huta

Richtung Nowa Huta Jugendliche drehen mit ihren Autos Kreise auf einem stillgelegten Industriegelände. Ein frischvermähltes Ehepaar lässt sich in den verfallenen Baracken einer Fabrik fotografieren.  Der Touristenführer fährt Besucher mit einem Trabanten durch die Stadt und erläutert ihnen Schauplätze der Auseinandersetzungen von 1989. Drei Szenen aus Dariusz Kowalskis Dokumentarfilm Richtung Nowa Huta, die dessen Ausrichtung trefflich veranschaulichen: Gegenwart und Geschichte bilden keine zwei voneinander getrennten Schichten, sondern durchdringen und kommentieren sich wechselseitig. Der Film muss keine direkte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit suchen, denn diese wird hier wie von selbst zum Thema – als wäre sie ein Requisit des Ortes, an dem man früher oder später ohnehin vorbeikommen muss. Kowalski verließ die polnische Stadt Nowa Huta, die heute zu Krakau gehört, als Jugendlicher auf der Flucht und kehrt nun zurück, um sich ein Bild eines Ortes zu machen, den er, wie er selbst sagt, eigentlich kaum kannte. Entsprechend nüchtern fällt sein Blick auf die Stadt aus, die als Stätte der Stahlproduktion in der Wendezeit eine bedeutende Rolle spielte. Der Filmemacher, obgleich manchmal selbst vor der Kamera …

Buben

Buben A 2012, 4:40 min, s/w Musik: Stefan Németh Bubenwallfahrt nach Maria Kirchbühel
 von Siegfried Mattl. Ausgangsmaterial für Dariusz Kowalskis Film „Buben“ ist ein anonymer Amateurfilm mit dem Archivtitel „Bubenwallfahrt nach Maria-Kirchbühel“. Dieser Film im Format 9,5mm und von dreizehn Minuten Dauer kam 2007 gemeinsam mit drei anderen Filmen als Schenkung des Instituts Neulandschule an das Österreichische Filmmuseum. Er dokumentiert Gemeinschaftsaktivitäten katholischer Jugendlicher um 1940. Der Film ist eine Kompilation von Aufnahmen unterschiedlicher Tätigkeiten (Spiele, Wanderungen) und Gruppen. Wie oft bei Amateurfilmen stellt die nicht-lineare und nicht chronologische Zusammenführung einzelner Sequenzen ein erhebliches Problem für die Lesbarkeit des Filmes dar. Untertitel geben allerdings einen wichtigen Hinweis zur Identifizierung distinkter Handlungsstränge, Schauplätze und Zeitpunkte. Danach lassen sich zumindest fünf unterschiedliche Ereignisse bestimmen: eine herbstliche „Bubenwallfahrt nach Maria-Kirchbühel“ – gemeint sein muss Maria-Kirchbüchl / Groß Höflein an der Hohen Wand; ein „Bubeneinkehrtag in Katzelsdorf“; eine Gruppe älterer Jugendlicher bei Spiel und Sport in einem Schloß- oder Guthofs-Park; ein Schiurlaub „Christfahrt 1940“; eine Kinder-Sommerwanderung zur Ruine Aggsbach. Der unterschiedliche Stil der Aufnahmen legt die Annahme nahe, dass hier …

Interrogation Room – Diagonale Trailer 2009

Trailer für Diagonale 2009 2009, HD, 1’30 Min, Sound mit  Adelheid Picha, Markus Subramaniam, Heinz Schanil Regie: Dariusz Kowalski Regieassistenz & Casting: Katharina Mückstein Music: Stefan Németh / Steven Hess Kamera: Martin Putz Kameraassistenz: Christian Haake Ton: Gailute Miksyte Dolly: Rupert Kaspar Maske: Reinhard Kirnich Kostüm, Requisite: Natalie Schwager Aufbau & Ausstatung: Harald Hasler, Johannes Stattmann, Stephen Mathewson, Franz Gebetsberger, Roland Fink Produziert in der Medienwerkstatt Wien mit Dank an Manfred Neuwirth Thanks: Dr. Eva Mückstein, Dr. Maria Huf, Dr. Ingrid Farag, Jörg Burger, Elisabeth Ganser https://vimeo.com/48291150     “Interrogation Room” ( dt. Verhörraum ) thematisiert die Beobachtung und den versteckten Blick in der Psychiatrie. Das Setting mit dem semitransparenten Spiegel kommt im Kino mal als Verhörraum, mal als Spiegelzimmer oder Interview-Raum vor, und sowohl Psychiatrie als auch Kriminalistik teilen sich unter anderen Vorzeichen dieselbe räumliche Beobachtungssituation. In diesem meist kahlen Zimmer wird entweder ein Befund oder ein Geständnis geschrieben, während ein unsichtbarer Dritter hinter einem semitransparenten Spiegel die Situation beobachtet. Der Fokus meiner Arbeit liegt auf dem voyeuristischen Blick und der Konstruiertheit des Settings, …

Optical Vacuum

Realisation: Dariusz Kowalski Voice: Stephen Mathewson Sound: Stefan Németh Mastering: Martin Siewert A 2008 Beta-SP  55’ Min vertrieb: sixpackfilm Optical Vacuum Text: Dietmar Kammerer Nirgendwo wird die Rede vom “panoptischen Zeitalter”, von einem Auge, das alles erfasst und selbst unfassbar bleibt, deutlicher, als in eben dem Medium, das Allgegenwart und Flüchtigkeit im globalen Maßstab umgesetzt hat: das Internet. Im Netz wird das bisherige Paradigma unserer bildgebenden Apparate hinfällig: Keine singuläre Zentralperspektive mehr, sondern Myriaden von Blickwinkeln, übertragen aus Webcams, die pausenlos Bilder in den digitalen Datenstrom pumpen. So ist das “Vakuum” im Titel von Dariusz Kowalskis 55-minütigen filmischen Essay keine Leere, sondern ein mächtiger Generator, eine unablässige Verdoppelung der Welt ins Bild. Was so entsteht, ist eine Überwachung, die ihren alten Wortsinn wieder spürbar werden lässt: die Über-Wachheit, die Halluzinationen erzeugende Anstrengung, die ein Auge erleidet, das weder blinzelt noch schläft. Über Jahre hat Kowalski Bilder aus dem Strom gefischt, die wie eine Flaschenpost für niemanden gedacht waren und die jeder empfangen konnte. Wie Traumbilder gleiten sie an uns vorüber, ein oneirisches Panoptikum, in dem …

Interstate

Realisation: Dariusz Kowalski Sound: Stefan Németh Mastering: Martin Siewert Kamera: Dariusz Kowalski USA/A 2006 Beta-Sp  10 Min INTERSTATE – Der rasende Stillstand Text: Axel Fussi In dieser Montage aus Tausenden von einzeln aufgenommenen Photos, die – minutiös montiert – den Eindruck von einer Art Film vermitteln, dominiert die Landschaft die Szene als Still-Leben-Hintergrund für das gespenstische Auftauchen, Verschwinden und Dröhnen von Autos, Trucks und Motorrädern, ohne irgendeinen Hinweis auf Kontinuität der Bewegungen zu geben, die man erwarten würde. Eingebaute Wiederholungsschleifen sind das Echo des Bewegungsparadoxons von Zenon, angedeutet durch Fragmentierung und Wiederholung, die die Atmosphäre eines Teufelskreises in heftiger Rotation vermitteln. Der Fluchtpunkt der Perspektive, dieser exakt-fiktive Fokus moderner Identität im Raum, wird exemplifiziert durch eine Strasse, die den schwindenden Horizont zwar immer berührt, ihn aber nie erreicht. Dies als Verkörperung des gescheiterten Versuchs der Moderne, durch Fortschritt die Kontrolle über ihre in den Raum projezierten Konstrukte zu gewinnen. Der der Landschaft inhärente Aspekt der geologischen Zeit, fügt dem hastigen, unheimlichen Erscheinen und Verschwinden der Fahrzeuge auf dem Interstate eine völlig andere zeitliche Dimension hinzu; …

Luukkaankangas-updated,revisited

Sound: Stefan Németh Mastering: Martin Siewert A 2005 Beta-Sp  8 Min Luukkaankangas-updated,revisited Text: Marc Ries ©Kunstverein Medienturm In Finnland nehmen Webcams der Finnish Road Administration permanent Bilder aller wichtigen Straßen auf, die dann in einem Intervall von 15-30 Minuten ins Internet gestellt werden. Bevor sie also wegfahren, können die Finnen ihre Straßen zunächst als ein Bild einsehen, und entscheiden, ob sie sie benutzen wollen oder nicht. Entscheidend ist wohl, dass die Kameras die Bilder automatisch, ohne Kameramann, aufnehmen, es also bloße Funktionsbilder sind, ohne jegliche ästhetische Referenz. Der systematischen Leerstelle auf der Seite der Produktion steht eine hoch individualisierte Rezeption gegenüber. Dariusz Kowalski gestaltet – ebenfalls als User dieser Bilder – aus ihnen eine singuläre filmische Dramaturgie. Die serielle Montage der Einzelbilder, ihre Entfunktionalisierung und Raffung lässt diese nunmehr als gänzlich andere Bilder lesen. Die Straßen erleben eine eigentümliche Animierung, Beseelung. Sie werden als Organismen wahrgenommen, die sich mit den Licht und Schattenspielen, mit den Wetterverhältnissen und Jahreszeiten verändern. Die Straßen pulsieren, vibrieren, verwandeln sich nach scheinbar uneinsehbaren Gesetzen. Sie beeindrucken, da oft gar keine …

Elements

Sound: Stefan Németh Mastering: Martin Siewert A 2006 35mm 8 Min Stereo Elements Text: Marc Ries Elements setzt stilistisch wie programmatisch Luukkaankangas – updated, revisited (2004) fort. Hier sind es vom „Alaska Weather Camera Program“ ins Internet gestellte Datenbilder von okkupierten Terrains in den Eiswüsten, die zu Loops animiert werden. Jedoch bezieht sich Elements auf kein präzises Objekt mehr, sondern referiert direkt auf Raum, auf uneinnehmbare Landschaft und unsichere Horizonte. Das Motiv der Webcams sind zwar kleine Flugplätze in Alaska und deren Wetterbedingungen, durch den Zeitraffer und die schnelle Collage entschwinden jedoch die Funktionsdaten ebenso wie die konkreten Objekte, Flugzeuge, Autos, zugunsten einer Rhythmisierung des Raumes, die seine elementare Erscheinung als Ineinandergreifen weisser, bedeutungsleerer Flächen betreibt. Die Natur der Landschaft unterlegt dieser schnelle Wechsel, Wolken- und Schneetreiben, extreme Lichtintensitäten. Das Video evoziert ein anderes Zeitgefühl, da die nachvollziehbare Alltagsdramaturgie der Objekte wegfällt: Sie sind da und wieder weg, anwesend, dann wieder abwesend, folgen also keinem teleologischen Plan, sind wie unbedeutende kinetische Elemente, deren Sichtbarkeit zwischen die Bilder fällt. Es sind die Bilder, die entscheiden, ob …