Autor: Dariusz

Zwischennutzung

Text: ©Dominik Kamalzadeh, ©sixpackfilm Der Wiener Zentralbahnhof mitsamt seinen monochromen Bürogebäuden und Apartmentblöcken im Sonnwendviertel kommt in Zwischennutzung von Dariusz Kowalski nur nebenbei als eine Kulisse ins Bild, vor der die Jugend aus Favoriten Fußball spielt. Statt um Stadtentwicklung vom Reißbrett geht es in dem Dokumentarfilm um wild gewachsene Strukturen: um ein Dazwischen, eine Nische, die gut versteckt im Niemandsland zwischen Stadtautobahn und Industriestandorten liegt. Dort steht die ehemalige Fleischfabrik, die für eine bunte Truppe aus Unternehmern und Kreativen filetiert wurde. Der Probenraum einer beherzten Growl-Metal-Band ist darunter oder das Atelier des Konzeptkünstlers Fabio Zolly, eines Bekannten des Filmemachers.  Ein Geflecht aus Interessen und Perspektiven, so vielfältig, wie sie in Wien nur selten anschaulich werden. Zolly erinnerte das Gelände mit Blick auf den Durchzugsverkehr an seine Zeit in Brooklyn, weshalb er sich hier gleich wohl fühlte; andere wie einen libanesischen Lebensmittelhändler oder die Betreiber von Autowerkstätten hat der Zufall hier her verschlagen. Aus vielen unterschiedlichen Ländern, wohlgemerkt, weshalb Kowalskis umsichtiges Porträt dieses Ortes auch ein Stück Migrationsgeschichte verdichtet. Was der Immobilienmakler, dem das Grundstück gehört, einmal als …

Seeing Voices

Text: Paul Ertl (©Filmladen) Eine Politikerin hält einen Vortrag, das Publikum applaudiert. Jugendliche tanzen in der Disco. Ein Geburtstagkind bekommt ein Ständchen gesungen. Gemeinsam haben alle, das sie gehörlos sind – Moment mal, geht das denn überhaupt? Vortrag halten, klatschen, singen, tanzen? Und wie! Für Applaus gibt es in der Gebärdensprache eine eigene Gebärde. Musik erschließt sich den Tanzenden in der Disco über den Rhythmus, den sie spüren. Sogar „Happy Birthday“ singen kann man in Gebärdensprache. Und sie spüren die Schwingungen einer Gitarre, wenn sie die Hand darauf legen, sogar der singenden Stimme, wenn sie die Hand auf den Brustkorb der Sängerin legen. Wenn gehörlose Menschen untereinander sind, fehlt es ihnen an nichts. Nur die Hörenden scheinen das manchmal nicht so recht zu glauben. So auch die Ärzte der Familie Hager – Vater, Mutter und Sohn gehörlos, Tochter hörend. Der neugeborene Emil hat die Gehörtests nicht bestanden und den Eltern wird zu einem sogenannten Cochlea-Implantat geraten, ein chirurgischer Eingriff am Gehirn, der dieses „Defizit“ vielleicht beheben könnte. Doch Barbara Hager möchte, dass sich ihr Kind …

Seeing Voices auf Dvd

Seeing Voices DVD Release in der Edition Filmladen. Ab sofort bei diversen Händlern sowie im Falter Onlineshop. Preise (Seeing Voices): 2018 Int. Deaf Film Festival Shanghai – Silent Magnolia Award for Best Film 2017 Special Mention – Festival International Jean Rouch 2017 Prize of the Public to the Best International Feature Film – Festival de Cine de Madrid 2017 Ehren-Ribbon für den besonderen Einsatz für die Gebärdensprache und die Gehörlosenkultur in Österreich Festivals: DOK Leipzig Germany Leipzig, Nov.2016 One World International HRDFF Czech Republic Prague, März 2017 Diagonale – Festival des österreichischen Films, Graz März 2017 Crossing Europe Filmfestival Linz, April 2017 FILMKUNSTFEST Mecklenburg-Vorpommern, Germany Schwerin, Mai 2017 DOK.fest Munich Germany Munich, Mai 2017 FICDH – Festival Internacional de Cine de Derechos Humanos, Argentina Buenos Aires, Jun. 2017 Douarnenez Film Festival France Douarnenez, Aug. 2017 National Ass. of the Deaf Baden-Württemberg e.V. Germany Stuttgart, Sep. 2017 Bergen International Film Festival Norway Bergen, Sep. 2017 Festival Cine Madrid Spain Madrid, Okt. 2017 Jean Rouch International Film Festival France Paris, Nov. 2017 EU Human Rights Film Days …

Seeing Voices – Text

Text: Paul Ertl (©Filmladen) Kurzsynopsis: Die ProtagonistInnen in SEEING VOICES sind zwar gehörlos, aber ohne Worte sind sie deshalb wahrlich nicht: Die Gebärdensprache birgt ein Paralleluniversum voller Ausdruckskraft und Magie, das den meisten Hörenden unerschlossen bleibt. Ayse, Helene und die gehörlosen Mitglieder der Familie Hager vermissen weder Musik noch das Zwitschern der Vögel, schließlich haben sie es nie gehört, sehr wohl aber das Recht auf ihre Muttersprache. Diesen schmalen Grat zwischen der hörenden und der gehörlosen Welt meistern sie alle auf völlig unterschiedliche Weise – aber keineswegs leise. Langsynopsis: Eine Politikerin hält einen Vortrag, das Publikum applaudiert. Jugendliche tanzen in der Disco. Ein Geburtstagkind bekommt ein Ständchen gesungen. Gemeinsam haben alle, das sie gehörlos sind – Moment mal, geht das denn überhaupt? Vortrag halten, klatschen, singen, tanzen? Und wie! Für Applaus gibt es in der Gebärdensprache eine eigene Gebärde. Musik erschließt sich den Tanzenden in der Disco über den Rhythmus, den sie spüren. Sogar „Happy Birthday“ singen kann man in Gebärdensprache. Und sie spüren die Schwingungen einer Gitarre, wenn sie die Hand darauf legen, sogar …

Seeing Voices im Verleih von Taskovski Films

Taskovski Films Ltd. is London based world sales and production company of independent documentary films. We welcome innovative, playful and risky forms of filmmaking capable of engaging and surprising audiences around the globe. Our passion is discovering new talent and authorial stories. Taskovski Films is co-producer and sales agent of the multi-award winner documentary Czech Dream (The most successful European documentary film), Czech Peace (Grand Prix DMZ Docs), People I could have been and maybe I am (Winner of IDFA, Visions du Réel, HotDocs), Cooking History, nominated for the European Academy Award, winner of special jury award at Hot Docs 2009, FIPRESCI Jury Award, Leipzig DOKS 2009, and many others. Catalogue is available HERE. Taskovski Films Ltd. http://www.taskovskifilms.com/seeing voices

Interview für Austrian Films

«Ich wollte gehörlose Menschen nicht über ihre Andersartigkeit portraitieren, sondern über ihre Kultur.» Dariusz Kowalski zeichnet in Seeing Voices ein vielstimmiges Portrait der Gehörlosen-Community in Wien, das nicht nur ein Gespür für eine Sprache, die auf der visuellen Ebene funktioniert und für Menschen, die sich durch Gebärden Gehör verschaffen, vermittelt. Seeing Voices verweist auch auf den Stellenwert der Gebärdensprache, dem unser Bildungssystem noch immer nicht gebührend Rechnung trägt.   Der Titel Seeing Voices könnte grundsätzlich der Titel eines Experimentalfilms sein oder auch eines filmischen Experiments. Beschäftigte Sie abgesehen vom gesellschaftspolitischen Fokus auf das Thema Gehörlosigkeit auch eine konzeptuelle Ebene, wo es um die Frage ging, wie funktioniert in einem visuellen Medium die Auseinandersetzung mit einer Welt, die von der Akustik und ihrer unzureichenden Wahrnehmung bestimmt wird?   DARIUSZ KOWALSKI: In der Recherche ja. Das hat gewiss mit der ersten Annäherung an das Thema zu tun, da ich ja vom Experimentalfilm komme und manchmal in diese Richtung reflektiere. Das änderte sich, als ich ein Zitat von Nicholas Philibert über seinen Film Le pays des sourds (Im …

Seeing Voices bei DOK Leipzig

Seeing Voices feiert am 4.November seine internationale Premiere bei DOK Leipzig. Lars Meyer (Katalogtext) Vor elf Jahren wurde die Österreichische Gebärdensprache verfassungsrechtlich als „eigenständige Sprache“ anerkannt. Doch von einem barrierefreien und damit inklusiven Alltag für Gehörlose ist man auch hier noch weit entfernt. Das gilt für den einfachen Gang zum Arzt ebenso wie für den Schulbesuch. „Seeing Voices“ zeigt eine Welt, die für die Hörenden oft unsichtbar bleibt – allein schon dadurch, dass in diesem Film mehr gebärdet als gesprochen wird. In konzentrierten Bildern sensibilisiert er auf informative und unterhaltsame Weise für unterschiedliche Lebenssituationen, für die Gehörlose besondere Kommunikationsstrategien ausbilden müssen. Wie verständigt man sich etwa bei einem Tanzkurs? Welche Rolle kommt dem hörenden Kind eines gehörlosen Paares zu? Und wie sieht der Alltag einer gehörlosen Politikerin aus? Einer der eindrücklichsten Erzählstränge begleitet einen Berufsorientierungskurs für Gehörlose und zeigt später eine Teilnehmerin beim Praktikum in der Schneiderei. Angst und Scham darüber, sich nicht immer verständlich machen zu können, vermischen sich hier mit dem Spaß an der Sache und einem ganz besonderen Humor. Sehr deutlich wird, …

Biografie II – WIR

Im Rahmen der Ausstellung: BIOGRAFIE II – WIR 2.–27. September 2014 Begleitprogramm / Filmpräsentation im Kino der Fotogalerie Wien: Dariusz Kowalski – Richtung Nowa Huta, AT 2012, Video, 78:00 min. Einleitende Worte zum Film von Dariusz Kowalski