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Interstate

Realisation: Dariusz Kowalski

Sound: Stefan Németh

Mastering: Martin Siewert

Kamera: Dariusz Kowalski

USA/A 2006 Beta-Sp  10 Min

INTERSTATE – Der rasende Stillstand

Text: Axel Fussi

In dieser Montage aus Tausenden von einzeln aufgenommenen Photos, die – minutiös montiert – den Eindruck von einer Art Film vermitteln, dominiert die Landschaft die Szene als Still-Leben-Hintergrund für das gespenstische Auftauchen, Verschwinden und Dröhnen von Autos, Trucks und Motorrädern, ohne irgendeinen Hinweis auf Kontinuität der Bewegungen zu geben, die man erwarten würde. Eingebaute Wiederholungsschleifen sind das Echo des Bewegungsparadoxons von Zenon, angedeutet durch Fragmentierung und Wiederholung, die die Atmosphäre eines Teufelskreises in heftiger Rotation vermitteln.

Der Fluchtpunkt der Perspektive, dieser exakt-fiktive Fokus moderner Identität im Raum, wird exemplifiziert durch eine Strasse, die den schwindenden Horizont zwar immer berührt, ihn aber nie erreicht. Dies als Verkörperung des gescheiterten Versuchs der Moderne, durch Fortschritt die Kontrolle über ihre in den Raum projezierten Konstrukte zu gewinnen.

Der der Landschaft inhärente Aspekt der geologischen Zeit, fügt dem hastigen, unheimlichen Erscheinen und Verschwinden der Fahrzeuge auf dem Interstate eine völlig andere zeitliche Dimension hinzu; als statischer Kontrast zur plötzlichen Geschwindigkeit, mit der sie – scheinbar aus dem Nichts – auftauchen, bevor sie mit gleicher vitesse in die Vergessenheit ausgeblendet werden.

Angesichts des Phänomens, dass in unserer Wahrnehmung die Geschwindigkeit eines Objekts, in dem wir uns bewegen, abnimmt mit der Distanz zu jenem Bezugspunkt im Verhältnis zu welchem wir unsere Bewegung messen, kann man schliessen, dass es im Verhältnis zur Unendlichkeit (Raum) und Ewigkeit (Zeit), überhaupt keine Bewegung gibt, sondern nur einen rasenden Stillstand.

Wie Paul Virilio 1992 (mit Bezug auf die Rave-Szene) schreibt: “ … mit der Irregularität des epileptischen Raums, welcher durch Überraschung und unvorhersagbare Variationen der Frequenzen definiert wird, geht es nicht länger um Fragen der Spannung oder Aufmerksamkeit, sondern um reine und einfache Aufhebung (mittels Beschleunigung), das Verschwinden und effektive Wiedererscheinen des Realen, den Abschied von der Dauer.”

INTERSTATE – the frenzy of standstill

Text by Axel Fussi

In this montage of thousands of individually taken photographs, meticulously sewn together, generating the impression of an actual film of sorts, the landscape dominates the scenery as a still-life background to eerily appearing and disappearing cars, trucks and motorcycles, with no clue to a continuity one might expect. In-built loops echo the paradoxon of movement, as described by Zenon, hinted at by way of both fragmentation and repetition that air the feeling of a viscious circle in heated rotation. The vanishing point of perspective, the pinpoint focus of modern identity, exemplified by a road ever touching and ever missing the vanishing horizon, is the epitomy of modernity’s failing attempt to progressively gain control over it’s projected constructs.

Time inherent in the geological aspect of the landscape’s space adds a totally different temporal dimension to the hastily, ghostly appearance and disappearance of the vehicles, rushing up and down the Interstate; to the sudden speed with which they emerge, seemingly out of nowhere, before fading into oblivion with equal vitesse.

In the light of the phenomenon, that our perception of the speed of an object, we are moving in, decreases with the distance to our point of reference against which it is measured, one may conclude, that against the backdrop of infinity (space) or eternity (time), there is no movement at all, but just a standstill frency.

As Paul Virillio says in 1992 (with regard to the rave scene): “…with the irregularity of the epileptic space, defined by surprise and an unpredictable variation of frequencies, it’s no longer a matter of tension or attention, but of suspension pure and simple, (by acceleration) disappearance and effective reappearance of the real, departure from duration.”

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