Camera Austria, 2009

Roland Schöny.

Dariusz Kowalski. Im Panoptikum unendlicher Wahrnehmung.

Blicke auf nächtliche Stadtlandschaften, deren Horizonte verschwimmen, kontrastiert von der Sicht auf anonyme, oft menschenleere Innenräume eröffnen die Szenarien im filmischen Werk des Künstlers Dariusz Kowalski. Deren brüchige Low-resolution-Textur, verbunden mit der von Einstellung zu Einstellung gleich determinierten Geometrie des Blicks, bahnt unmittelbar Assoziationen mit etablierten medialen Typologien der Kontrollästhetik. Denn Kowalski arbeitet mit Bildern der Observation, die er dem Datenfluss des Internet entnimmt und als algorithmisches Found Footage dramaturgisch montiert. Doch führt er deren visuelle Grammatik mit klassischen Stereotypien des Dispositivs der Kontrolle keineswegs linear in einen politisch kodierten Diskurs der Überwachung über, sondern wirft grundsätzliche Fragen nach Raumerfahrung und der Verortung des Subjekts innerhalb einer panoptisch organisierten Geografie auf. Zwar konstituieren Kowalskis Werke einen referenziellen Rahmen für die Kritik an der Verdichtung institutionalisierter Beobachtungssysteme und deren polizeilich strukturierte Blickregime, doch erzählen sie eher von einem Kippen von Intentionen der Kontrolle in absurde Feedbackschleifen und Leerläufe der Information. Sie protokollieren eine gespenstische Vereinsamung angesichts der Entfunktionalisierung der Bilder durch deren Übermaß und berichten vom Zerfall der Orientierung angesichts der Austauschbarkeit von Orten und lokalen Zusammenhängen.

Textbeitrag in Camera Austria 106/2009, Seite 35 – 41.