IFF Rotterdam, 2009

Peter van Hoof. IFF Rotterdam 2009

– Please tell us a little more on the background of Optical Vacuum. How did it start ? Was it based on a original idea by yourself ?

Ich habe in den letzten 4 Jahre hauptsächlich mit Videomaterial von Webcams gearbeitet und mich mit den urbanen Transiträumen im Kontext der Überwachung beschäftigt. Für meine filmische Arbeit war der Begriff des „Nicht- Ortes“ ( „Non-place“ Marc Augé) wichtig, und ich wollte mit den automatisch genererierten Webcam-Bildern diesem Begriff nachgehen.

Der Ausgangspunkt für “ Optical Vacuum“ war eine Webseite (www.opentopia.com), die versteckte Kameras durch einen spezielen Suchbegriff herausgefiltert  und gesammelt hat. Diese Kameras waren ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit gedacht, sondern dienten zur Überwachung von Arbeitsplätzen, Universiätsräumen und öffentlichen Plätzen. Mich hat diese ambivalente Mischung aus Überwachung, Voyeurismus beschäftigt, aber auch das permanente „Online-Sein“, das im Internet eine neue Form bekommen hat.

Meine Idee war, das Internet als einen gewaltigen Bildgenerator mit „Tausenden von Augen“ zu nutzen. Die Webcams speisen ununterbrochen Bilder ins Netz, ob jemand zuschaut oder nicht, und bilden eine Art temporäres Archiv unserer Zeit ohne den Anspruch auf Dauerhaftigkeit oder Bedeutung.

– Why was it important for you to make this film ?

Ich wollte diesem anonymen voyeuristischen Bilderfluss eine ganz persönliche Stimme entgegensetzen, und damit eine andere Geschichte erzählen, die nicht in den Bildern lag. Ich habe aber keinen Text geschrieben sondern meinen Freund Stephen Mathewson gebeten, ein Jahr lang ( 2007) auf einem Diktafon eine Art Tagebuch zu führen. Stephen ist Maler, Comics-Zeichner und Musiker, ich kannte seine Art zu reden, und wusste dass ihm genügend interessante „Mikro-Geschichten“ einfallen würden.

Er spielte die Stimme auf einem Diktafon ein, und bei der schlechten Qualität, wie die einer Telefonstimme, dachte ich sofort: warum nicht genau diese Art von Voice-Over in einem Film verwenden? Ich konnte mich an kein Beispiel erinnern, in dem die gesamte Off-Stimme von einem Diktafon gekommen wäre.

Das Diktafon hat etwas von einer distanzierten Funkstimme wie aus einer Raumstation, und wirkt direkter, nicht so trocken wie eine Studioaufnahme. Die Audioaufzeichnungen entstanden unabhängig vom Bild und  Stephen wusste nicht – bis auf wenige Ausnahmen – wie das Bild ausschauen würde. Ich wollte, dass Stimme und Bild parallel laufen und sich nicht beeinflussen, damit freie Assoziationen beim Zuschauern möglich werden.

Darüberhinaus ist es so, dass man Tagebücher eher schreibt und nicht unbedingt auf Tonband aufnimmt. Mich hat die direkte Stimme von jemanden interessiert, nicht das Schreiben sondern das spontane Reden. Das ist ein ganz eigenes Gefühl mit sich selbst ohne ein Gegenüber ins Diktafon zu reden. Gar nicht einfach, probieren Sie es selbst!

– Is the way you worked on this film similar to Elements or Interstate ?

Sehr ähnlich aber viel assoziativer – in den früheren Arbeiten habe ich eher eine grafische und atmosphärische Ähnlichkeit der Bilder gesucht. Ich wollte filmisch durch die Konzentration auf ein Motiv, wie z.b. Strasse, Flughafen, oder Metro, die Bilder zu einem imaginären „Ort“  verdichten.

In „Optical Vacuum“ war mir dagegen die Stimmung der Erzählung wichtiger, daher sind die Szenen viel assoziativer, die Distanz zwischen Bild und Stimme grösser als in früheren Arbeiten, wo ich nur Musik eingesetzt habe.

– Can you tell us if you get inspiration in your work also by watching

work by other filmmakers ? Who are they ? In what way do they inspire you ?

Andrei Tarkovsky, Béla Tarr, Gus van Sant – ungewöhnliches, langsames Kino, ohne viel Dialoge und Schuss-Gegenschuss.

– Can you say something about the techniques you used. The choice between film and video. The relation between the image and the sound.

Ich habe über zwei Jahre lang tausende von Webcams beobachtet und mehrere tausend Einzelbilder manuell heruntergeladen. „Händisch“ kann man sagen, d.h. ich war meistens bis zu zwei Stunden täglich im Netz und habe diese Kameras beobachtet. Ausschlaggebend für die Auswahl war immer die Situation vor der Webcam und sowohl die Tageszeit als auch das Licht. Die meisten Webcams liefern gewöhnlich ein langweiliges Livebild, dem jegliche Spannung fehlt. Manchmal entstehen aber magische Momente wie z.B. das Zufrieren des Sees. Die Einzelbilder wurden dann zu Videosequenzen animiert. Die Videoqualität der Webcams ist recht schlecht, daher war es eine grosse Herausforderung diese Wegwerfbilder für die grosse Leinwand zu montieren.

– Is it important for you that you film will be screened in a competition

program. Why is this ?

In dem Fall ja. Bei „Optical Vacuum“ handelt es sich um Bilder, die nicht fürs Kino gedacht waren. Der Kontextwechsel vom kleinen unscheinbaren Webcam-Bild zur Kinoleinwand war für mich wichtig, weil er ein ganz anderes Publikum eröffnet.

Diese automatisierten, anonymen Bilder, haben eine speziele und distanzierte Ästhetik, die man vom Kino nicht kennt. Mich erinnern diese Webcam-Bilder eher an die Malerei vor der Erfindung der Perspektive.

– What is the audience you have in mind when you made presentation Theme ?

Also nicht das typische Blockbaster-Publikum. (Lacht) Nein, im Ernst,  ein Schriftsteller denkt nicht an das Publikum wenn er in seinem Zimmer schreibt, aber dem Filmemacher schreibt die Filmindustrie das Publikum schon vor. „Optical Vacuum“ war von Anfang an ein sehr persönlicher und privater Film, deswegen freut es mich umso mehr, dass der Film an vielen grossen Festivals gelaufen ist und sein Publikum selber gefunden hat.

– Could you please tell us something about the next project you will be

working on ?

Ich habe gerade für das Österreichische Filmfestival Diagonale den Trailer und einen Kurzspielfilm über ein psychiatrisches Setting gedreht. Sollte es jemand finanzieren, möchte ich bald einen Spielfilm drehen.