Ausstellungen

Zwischenfälle

Neuer Kunstverein Wien

12.12.11 – 31.01.12

Text: Katarzyna Uszynska

Es sind nüchterne Stadtlandschaften, menschenleere Schauplätze, die den filmischen Blick des Filmemachers und Medienkünstlers Dariusz Kowalski auf sich ziehen. Dabei arbeitet Kowalski mit latenten Bildern der Beobachtung, mit denen er an die Kontrollästhetik von Überwachungssystemen erinnert. Sein Thema ist dabei die Inflation und Instrumentalisierung von Bildern – Bilder als Werkzeuge institutionalisierter Kontrolle und die zunehmende menschliche Orientierungslosigkeit im stetig sich beschleunigenden Bildfluss.

So sehr ihn der Diskurs über das Verhältnis von Bild, Kontrolle und Macht, der an Foucaults „Überwachen und Strafen“ denken lässt, sowie über den Verlust von Identität in einer von Bildern überwuchernden Realität interessiert, so sehr sind Dariusz Kowalskis Bilder jedoch von künstlerischen Ambivalenz und manchmal geradezu impressionistisch-romantischen Schönheit beseelt.

In seinem medienkritischen filmischen Werk greift er auf die künstlerischen Mittel der Beschleunigung, Repetition und des Loop zurück. So oszillieren in seinen Filmen die Bilder zwischen Stillstand und Unruhe. Echtzeit, Zeitraffung und Zeitverlangsamung bestimmen die Dramaturgie der Filme und verleihen so ein Gefühl der Verunsicherung und Ohnmacht. Sie führen in eine eigenartig bekannte und gleichzeitig unbekannte irreale Welt fern von Individualität und Zugehörigkeit.

Es sind Zonen des Übergangs und der Bewegung: Flughafenhallen Supermärkte, Straßenzüge. Orte, die einander austauschbar ähnlich wirken, ja geradezu emblematisch die Einsamkeit und Verlorenheit des postmodernen Lebens bezeichnen. Orte der existenziellen Unbehaustheit, wie dies Heidegger einmal nannte. Gleichwohl enthalten Kowalskis Bilder poetische Momente von Melancholie und Symphonie für eine Welt, in der Menschen für ihre Individualität und Selbstachtung kämpfen. Menschen auf der Suche nach dem verlorenen Ich.
In seinen unter einem gemeinsamen Titel entstandenen Arbeiten „Zwischenfälle“ zeigt Kowalski im Neuen Kunstverein Wien zwei Videoarbeiten und Fotoprints. Die Doppelprojektion erzählt von den Überwachungsaufnahmen des polnischen Geheimdienstes in den 80er Jahren. Aufnahmen, die über mehrere Jahre lang von der Straße in Nowa Huta in Polen gemacht wurden, in der der Arbeiter Bogdan Wlosik vom Geheimdienst selbst ermordet wurde. Die Projektion wird aus der Zusammensetzung von Bild und Text zum privaten Kommentar auf das Absurde des kommunistischen Kontrollsystems. Die weitere Videoarbeit ist eine Fotomontage, in der Kowalski das private und öffentliche Leben verbindet, indem er Fotografien aus seinem persönlich-privaten Fotoarchiv und einem Archiv eines Fremden kombiniert.

Fotografie © Neuer Kunstverein Wien